Gefährliche Fracht - UN-zertifizierte Transportverpackungen bieten Sicherheit

Foto: Shutterstock_366593357_Bjoern Wylezich       Das 800 Grad heiße Aluminium lief aus und verteilte sich auf der Autobahn, die teilweise in Flammen aufging. Als 2015 ein Gefahrguttransporter auf der A1 bei Dortmund umkippte, wurde die Straße schwer beschädigt. Die Oberfläche war von erstarrtem Metall überzogen und anschließend musste der Asphalt komplett abgetragen und erneuert werden. Die spektakulären Bilder verbreiteten sich in den Medien. Zugegeben: Hierbei handelt es sich um ein Extrembeispiel. Aber auch wenn längst nicht alle gefährlichen Güter solche Risiken bergen wie flüssiges Aluminium, gelten beim Transport doch immer strenge Vorschriften. Speziell die Verpackungen müssen entsprechend den Empfehlungen der Vereinten Nationen (UN) geprüft werden, bevor sie bei der Beförderung von Gefahrgut zum Einsatz kommen.

Annahme verweigert, kein sachgemäßer Versand

Laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur werden jährlich mehr als 400 Millionen Tonnen Gefahrgüter durch Deutschland transportiert. Der unsachgemäße Versand ist gefährlich und wird daher durch Bußgelder der Polizei und des Bundesamts für Güterverkehr geahndet. Darüber hinaus droht weiteres Ungemach: Bei der Wareneingangsprüfung der Empfänger werden erfahrungsgemäß viele gefährliche Güter wegen fehlerhaftem Versand abgelehnt. Diese Sendungen müssen zurücktransportiert werden, wodurch wirtschaftlicher Schaden entsteht und zusätzlich noch das Image ramponiert wird. Die Wahl der falschen Gefahrgutverpackung stellt also ein großes Risiko dar. Bei der Transportplanung ist also unbedingt darauf zu achten, dass vor der Kommissionierung die korrekten Verpackungen vorhanden sind.

Was ist eine UN-Verpackung?

Verpackungen mit UN-Zulassung dienen der sicheren Beförderung von gefährlichen Gütern in flüssiger oder fester Form ohne zusätzliche Umverpackung zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Internationale Abkommen für die Beförderung gefährlicher Güter erfordern, dass die Formgebung und Eignung der Verpackungen von einer zuständigen staatlichen Stelle zertifiziert wird. In Deutschland werden Neuzulassungen ausschließlich von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) vorgenommen. Für die Zertifizierung müssen diese Behältnisse Stürze, Quetschungen oder aggressiven Chemikalien widerstehen. Ebenso werden Gefahrgutverpackungen mit UN-Zulassung auf Dichtheit und die Erfüllung bestimmter Anforderungen an hohe wie auch niedrige Temperaturen geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung und Analyse erhält ein Gefahrgutpackmittel die UN-Zulassungsnummer mit einem Zulassungsschein aus dem die jeweilige Werkstoffverträglichkeit ermittelt werden kann. Achtung: Die gesetzliche „Haltbarkeit“ einer UN-Verpackung beträgt fünf Jahre ab Produktionsdatum. Danach darf die Verpackung nicht mehr eingesetzt werden!

Dauerhafte Überwachung der Produktionsprozesse

Wenn das Zertifikat für eine bestimmte UN-Zulassung erhalten wurde, muss der Hersteller einen stabilen Produktionsprozess gewährleisten. Um die einheitliche Qualität der Verpackung nachzuweisen, ist ein transparenter und rückverfolgbarer Prozess vom Grundstoff bis zum Endprodukt erforderlich, so wie es bei Schoeller Allibert der Fall ist. Als Beleg können Zertifikate und/oder stichprobenartige, unabhängige Produktionskontrollen dienen.

Die Wahl der richtigen Verpackung

Handelt es sich bei den Transportgütern um flüssige oder feste Stoffe? Auf welchem Verkehrsweg (Lkw, Eisenbahn, Flugzeug, Schiff) sollen sie befördert werden? Als lose Einheit oder auf Paletten? Ist die Verpackung unempfindlich gegenüber dem Füllgut? Anhand der UN-Nummer eines chemischen Stoffes lässt sich mithilfe der Vorschriften bestimmen, welche Art von Verpackung erforderlich ist. Die UN-Nummer findet sich auf dem Sicherheitsdatenblatt (SDB) des betreffenden Füllgutes. Auf dem Sicherheitsdatenblatt findet sich die UN-Nummer, die auf die Vorschrift, welche Art von Verpackung erforderlich ist, hinweist. In den meisten Gefahrgutklassen werden die Gefahrgüter je nach Schwere der von ihnen ausgehenden Gefahr einer von drei Verpackungsgruppen zugeordnet.

Die Verpackungsgruppen I bis III

Die Stoffe werden aufgrund ihres Gefahrengrades während der Beförderung bestimmten Verpackungsgruppen zugewiesen.  
  • Verpackungsgruppe I: Stoffe mit hoher Gefahr Geeignet für Gefahrstoffe wie z. B. Zyanid. Die Verpackungen dieser Gruppe müssen diverse Falltests aus 1,8 m Höhe überstehen.
  • Verpackungsgruppe II: Stoffe mit mittlerer Gefahr Geeignet für Gefahrstoffe wie z. B. Benzin, Flüssiggas oder Batterien. Die Verpackungen müssen diverse Falltests aus 1,2 m Höhe überstehen.
  • Verpackungsgruppe III: Stoffe mit geringer Gefahr Geeignet für Gefahrstoffe wie z. B. entzündbare flüssige Stoffe oder Batterien, die per Lkw versendet werden. Die Verpackungen müssen diverse Falltests aus 0,8 m Höhe überstehen.

Der Zeichenschlüssel der UN-Nummer

Die UN-Nummer der Transportverpackungen kann nach einem festen Muster entschlüsselt werden. Am Beispiel eines UN-zugelassenen Kunststoff-Eimers lässt sich das veranschaulichen: UN 1H2/Y27/S/--/F/BVT/ 26087 Auf die Buchstaben „UN“ folgt stets der dreistellige Verpackungscode mit Angaben zur Verpackungsart (in diesem Fall 1 = Eimer), Werkstoff (hier H = Kunststoff) und Verschlussart (hier 2 = Deckel). Dann gibt es Angaben zum zulässigen Füllgut (hier Y = Verpackungsgruppe II) und zur zulässigen Dichte sowie diverse weitere technischen Kennziffern. Ein kompetenter Ansprechpartner zum Thema UN-zertifizierte Transportverpackungen ist Schoeller Allibert.

Bloß nichts verschütten! Beispielhafte Verpackungslösungen

Schoeller Allibert bietet UN-zertifizierte Verpackungen für sowohl für gefährliche Feststoffe als auch für Flüssigkeiten. Ein Beispiel ist der ROPAC Eimer. Beim Transport von UV-härtenden Druckfarben werden in der Regel leichte Eimer (PP) verwendet. Häufig treten jedoch Schäden während des Transports und bei der Handhabung auf. Verschüttete UV-Farben trocknen nicht, wenn sie nicht mit einer hohen Konzentration an UV-Strahlen behandelt werden. Ein beschädigter Eimer kann daher hohe Reinigungskosten und viel Ärger für den Fachhändler, den Transporteur oder den Nutzer bedeuten. Aus diesem Grund sind vor einigen Jahren die meisten UV-Tinten als Gefahrgut klassifiziert worden, die eine Verpackung mit UN-Zertifizierung für Flüssigkeiten erfordern. Da es auf dem Markt keine Kunststoffbehälter mit einer Öffnung im oberen Bereich gab, entwickelte Schoeller Allibert den ROPAC 5 L UN Eimer, der die strengen Normen der UN-Zertifizierung erfüllt. Heute ist der ROPAC Eimer eine Standard-Verpackungslösung für Hersteller von UV-Tinten europaweit, die damit Kostenrisiken vermeiden. Die Verpackung besteht zu 100 Prozent aus reinem HDPE und ist für die Klassen Y und Z, Verpackungsgruppe II und III, 100 kPa zugelassen. Optional sind die Deckel mit einem flexiblen Ausguss ausgestattet. Der neue Intermediate Bulk Container (IBC) TankGo 3000 ist eine wiederverwendbare Verpackung für Transport und Lagerung gefährlicher Flüssigkeiten. Sogar ätzende Chemikalien können mit dem nahezu wartungsfreien IBC sicher versendet werden. Das Fassungsvermögen beträgt beeindruckende 3000 l. Auch für gefährliche Feststoffe bietet Schoeller Allibert Verpackungslösungen wie beispielsweise den UN-zertifizierten Drehstapelbehälter Integra. Dieser Transportbehälter bietet nicht nur Schutz vor unbefugtem Zugriff, sondern auch eine qualifizierte Verpackung für Güter mit einem geringen und mittleren Gefährdungsgrad. (Verpackungsgruppe Y).

UN-Verpackung muss auch zur Lieferkette passen

Bei der Entscheidung für eine bestimmte Verpackungslösung gilt es außer der Sicherheit noch weitere Aspekte zu berücksichtigen. Wie passt die Verpackung in die eigene Prozesskette und in die der Empfänger? Erfolgt der Versand an Groß- oder Kleinabnehmer? Auch bei diesen Fragen hilft Schoeller Allibert mit einer Analyse der Lieferkette. Gefahrgutbeauftragte können sich per UN-Nummer über die jeweiligen Vorschriften auf der Gefahrgutseite der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung informieren.